Verehrte Patienten!

Immer wieder stellen uns Patienten die folgenden Fragen:

„Weshalb bekomme ich erst so spät einen Termin?“

„Werden Privatpatienten bei der Terminvergabe bevorzugt?“

Aus diesem Anlass möchte ich ein paar erläuternde Worte an Sie richten.

Unser Gesundheitssystem ruht auf zwei Säulen: der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der privaten Krankenversicherung. Diese beiden Versicherungssysteme gilt es, unter einen Hut zu bringen.

Das System der ambulanten Behandlung im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen schreibt vor, dass in einem Planungsbezirk (in unserem Fall Stuttgart) nur eine begrenzte Anzahl von Hautärzten tätig sein darf.

Als Arzt wurde ich von den gesetzlichen Krankenkassen für den Bezirk Stuttgart zugelassen und bekomme für meine Arbeit von den gesetzlichen Kassen ein limitiertes Budget zugewiesen. Das heißt, die gesetzlichen Krankenkassen schreiben mir den Leistungsumfang vor, den ich erbringen darf.

Hinsichtlich der Terminvergabe wird häufig der Vorwurf laut, dass Privatpatienten zeitlich bevorzugt werden und dies ungerecht sei. Der Vorwurf der „Zwei-Klassen-Medizin“ wird gerne schnell geäußert und auch von der Politik und den Medien dazu benutzt, populistische Meinungen zu verbreiten und niedergelassene Ärzte in ein schlechtes Licht zu rücken.

Um den Eindruck einer Ungleichbehandlung gar nicht erst entstehen zu lassen, habe ich mich dazu entschlossen, die Privatsprechstunde komplett von der Sprechstunde für gesetzlich versicherte Patienten zu trennen.

Das bedeutet für Sie als gesetzlich versicherte Patienten das Folgende: 

Die gesamte wöchentliche Öffnungszeit wird zu 100 Prozent als Behandlungszeit für Patienten verwendet, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. 

Dennoch behandle ich in meiner Praxis selbstverständlich auch privat versicherte Patienten.

Aber wie ist das machbar, wenn ich alle „regulären“ Termine schon vergeben habe?

Ich habe ärztliches Personal eingestellt, welches das zusätzliche Patientenaufkommen durch ergänzende Arbeitszeiten mitversorgt. Ich bin sehr froh, dass ich dazu eine äußerst kompetente Kollegin, Frau Dr. Walder, gewinnen konnte.

Dazu möchte ich einen Umstand besonders hervorheben: Dieses zusätzliche Zeitbudget wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen, sondern einzig und alleine von der Praxis selbst finanziert. Unserer Praxis wird von den gesetzlichen Krankenkassen lediglich das finanzielle Budget für einen Hautarzt zugestanden (ein Kassenarztsitz).

Weshalb müssen gesetzlich Versicherte eventuell länger auf einen Termin warten?

Wie eingangs schon erläutert, vergeben wir 100 Prozent unserer Termine innerhalb unserer Sprechzeiten an unsere Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung. Unser wöchentliches Zeitbudget ist begrenzt. Sobald es ausgeschöpft ist, entstehen notgedrungen Wartezeiten für weitere Patiententermine.

Weshalb weiten wir unsere Sprechzeiten nicht aus, damit alle Patienten schnell versorgt werden können? Wir haben doch mehrere Ärzte.

Wie alle anderen „Kassenärzte“, welche eine Zulassung zur Behandlung von Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung besitzen, sind auch wir an Budgetvorgaben gebunden. Wir dürfen zwar so viele Patienten behandeln, wie wir wollen, können allerdings nur eine begrenzte Anzahl von Leistungen abrechnen. Es wird geschätzt, dass durch diese politisch so gewollte Leistungsbegrenzung ca. 20 Prozent aller Leistungen der ambulant tätigen Ärzte nicht erstattet werden.

Für unsere Praxis gilt: Wir dürfen nur Leistungen für eine Arztstelle abrechnen. Somit können wir unsere Sprechzeiten und die damit verbundenen ärztlichen Leistungen nicht ausweiten, da wir diese von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet bekommen.

Weshalb bekommen Privatpatienten manchmal einen früheren Termin?

Neben dem bereits erwähnten „100-Prozent-Zeitbudget“ für unsere Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherungen haben wir ein von unserer Praxis eigens finanziertes Zeitpolster für unsere Privatpatienten. Sind innerhalb dieses Zeitpolsters kurzfristig Termine frei, können diese auch kurzfristig vergeben werden.

Verehrte Patienten, ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Erläuterungen den Sachverhalt etwas näherbringen konnte und bitte um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr.med. Achim Baumann